Komplexen Text in leichte Sprache überführen

Use Case

Fachtexte, Verträge und Behördentexte sind für viele schwer zu verstehen. Mit KI lassen sie sich in leichte Sprache überführen — mit kurzen Sätzen, einfachen Wörtern und klarer Struktur. So erreicht der Inhalt mehr Menschen, ohne dass die Aussage verloren geht.

Für: Verwaltung / HR · Niveau: Mittel · Tools: ChatGPT, Claude, DeepL Write, Microsoft Copilot

Für wen ist dieser Use Case geeignet?

Dieser Use Case eignet sich für alle, die Texte für breite Zielgruppen schreiben: Behörden, Personalwesen, Kundenservice, Gesundheitswesen, Sozialarbeit, Bildung. Besonders relevant ist er bei Texten, die Pflichtinformationen vermitteln und für alle Empfänger zugänglich sein müssen.

Sie brauchen den Originaltext und eine Vorstellung davon, für wen die leichte Sprache gemacht ist. Leichte Sprache und einfache Sprache sind zwei unterschiedliche Stufen — die KI sollte wissen, welche gewünscht ist.

Ausgangsproblem

Komplexe Texte sind eine Hürde: Menschen mit Leseschwäche, Menschen mit Deutsch als Zweitsprache, ältere Menschen und Menschen mit kognitiven Einschränkungen kommen mit verschachtelten Sätzen und Fremdwörtern nicht zurecht.

Wer komplexe Texte selbst in leichte Sprache überführen will, braucht viel Übung. KI kann hier ein schneller erster Entwurf sein — der inhaltlich treu bleibt, aber sprachlich vereinfacht. Die finale Prüfung bleibt allerdings menschliche Aufgabe, weil leichte Sprache strenge Regeln hat.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Sprachstufe festlegen

Es gibt mehrere Stufen vereinfachter Sprache. Legen Sie fest, welche Sie brauchen:

  • Leichte Sprache nach Regelwerk (kurze Sätze, Bilder, Erklärungen für Fachbegriffe)
  • Einfache Sprache (vereinfacht, aber ohne strenges Regelwerk)
  • Verständliche Sprache (weniger Fachbegriffe, klarere Struktur)

Schritt 2: Sprachregeln präzise benennen

Geben Sie der KI die Regeln, an denen sie sich orientieren soll:

  • Maximale Satzlänge (z. B. 8 bis 12 Wörter pro Satz)
  • Kurze, gebräuchliche Wörter (statt „aufgrund“ → „weil“)
  • Eine Aussage pro Satz, keine Schachtelsätze
  • Fachbegriffe erklären, wenn sie nicht zu ersetzen sind
  • Aktive Sprache, keine Passivkonstruktionen
  • Konkrete Beispiele statt abstrakter Begriffe

Schritt 3: Originaltext mit Regeln übergeben

Geben Sie der KI Originaltext und Sprachregeln. Bitten Sie sie, den Text so umzuschreiben, dass alle Regeln eingehalten werden — und die Bedeutung erhalten bleibt.

Schritt 4: Inhalt gegenprüfen

Lesen Sie Satz für Satz Original und Übertragung: Ist jede Aussage des Originals erhalten? Wurde nichts dazuerfunden? Wenn ein Fachbegriff weggelassen oder vereinfacht wurde — passt die Vereinfachung inhaltlich?

Schritt 5: Verständlichkeitstest

Lesen Sie den Text laut vor. Wenn Sie an mehreren Stellen ins Stocken geraten, sind die Sätze noch zu lang oder zu komplex. Bei Texten, die offiziell als leichte Sprache veröffentlicht werden, prüft eine Person aus der Zielgruppe gegen — das ist Pflicht.

Beispielprompt

Ich habe folgenden Text und möchte ihn in leichte Sprache überführen.

Originaltext:
[Originaltext einfügen]

Sprachstufe: [Leichte Sprache nach Regelwerk / Einfache Sprache / Verständliche Sprache]

Zielgruppe: [z. B. Menschen mit Leseschwäche, Menschen mit Deutsch als Zweitsprache]

Sprachregeln:
- Maximale Satzlänge: 8 bis 12 Wörter
- Kurze, gebräuchliche Wörter (statt „aufgrund" → „weil")
- Eine Aussage pro Satz, keine Schachtelsätze
- Fachbegriffe erklären, wenn sie nicht zu ersetzen sind
- Aktive Sprache, keine Passivkonstruktionen
- Konkrete Beispiele statt abstrakter Begriffe

Aufgabe:
1. Schreibe den Text in der vereinfachten Sprachstufe neu.
2. Markiere alle Fachbegriffe, die du erklärt oder ersetzt hast. Liste sie auf.
3. Markiere Stellen, an denen die Vereinfachung schwierig war — z. B. weil ein Begriff inhaltlich nicht ersetzbar ist.
4. Wenn eine Aussage des Originals nicht ohne Verlust vereinfacht werden kann, gib zwei Varianten zur Auswahl.

Wichtig:
- Erfinde keine Inhalte, die im Original nicht stehen.
- Keine Aussage des Originals darf verloren gehen.
- Sietzen, nicht gendern.
- Bei offizieller leichter Sprache: Ein menschlicher Verständlichkeitstest durch die Zielgruppe ist Pflicht, nicht optional.

Qualitätscheck

Bevor Sie den vereinfachten Text verwenden, prüfen Sie:

  • Sind alle Aussagen des Originals erhalten?
  • Halten alle Sätze die maximale Satzlänge ein?
  • Wurden Fachbegriffe ersetzt oder klar erklärt?
  • Ist die Sprache durchgängig aktiv, ohne Passivkonstruktionen?
  • Gibt es eine inhaltliche Drift gegenüber dem Original?

Ein guter Test: Lesen Sie den Text einer Person aus der Zielgruppe vor. Wenn sie nach jedem Absatz in eigenen Worten wiedergeben kann, was gemeint ist, sitzt die Vereinfachung. Bei offiziell als leichte Sprache veröffentlichten Texten ist dieser Test Pflicht.

Risiken und Grenzen

KI vereinfacht manchmal zu stark — wichtige Differenzierungen gehen verloren, juristische Aussagen werden unverbindlich. Bei Texten mit rechtlicher Relevanz darf die Vereinfachung die Aussage nicht verändern.

Leichte Sprache nach Regelwerk hat klare Anforderungen, die KI nur teilweise erfüllt. Wer einen Text mit dem Siegel „Leichte Sprache“ veröffentlichen will, braucht eine zertifizierte Prüfung — KI ist hier nur Vorarbeit.

Datenschutzhinweis

Texte für leichte Sprache sind oft öffentliche Texte (Behörden, Informationsmaterial), bei denen kein besonderer Datenschutzbedarf besteht. Bei internen Texten mit personenbezogenen Daten gelten die normalen Tool-Freigaben.

Wenn der Originaltext aus geschützten Quellen stammt (z. B. interne Verträge), klären Sie vor dem Einsatz die Datenschutzfreigabe.

Passende Tools

  • ChatGPT: gut für die Vereinfachung mit klaren Regeln — versteht Sprachstufen
  • Claude: differenziert in der Substanztreue — gut bei rechtlich sensiblen Texten
  • DeepL Write: spezialisiert auf deutsche Texte — gute Wortwahl und Satzlängen-Steuerung
  • Microsoft Copilot: praktisch für die Vereinfachung in Word — direkt im Dokument

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